Bunkerkirche Düsseldorf

 Bunkerkirche Düsseldorf

Die einzige bombensichere Kirche Deutschlands befindet sich in Düsseldorf am Rhein. Genauer gesagt im linksrheinischen Stadtteil Düsseldorf-Heerdt, an der Heerdter Landstraße 270, Ecke Kevelaerer Straße. Die unter Denkmalschutz stehende Bunkerkirche „Sankt Sakrament“ ist wohl das einzigstartigste Gotteshaus der Welt um wird im Volksmund auch treffenderweise „die stabilste Kirche der Welt“ genannt. Da Düsseldorf in unserem näheren Einzugsgebiet liegt und Bunkertechnisch einiges zu bieten hat, wurde die Bunkerkirche auch schon einige male von uns besucht. Doch kommen wir nun zur Geschichte des eigenartigen Hochbunkers in unserer Landeshauptstadt:

 Hochbunker in der Landeshauptstadt NRW

Die Kirchengemeinde St. Sakrament wurde im Jahre 1926 gegründet. Zwei Jahre später, also 1928 erwarb die Gemeinde das Grundstück im Düsseldorfer Westen um darauf einen Kirchenneubau zu errichten. Die Baupläne für die Kirche stammten von Professor Dr. Holzmeister von der Kunstakademie Düsseldorf. Doch durch die Wirtschaftskriese bedingten Geldmangel konnte das neue Kirchenbauwerk nicht realisiert werden. Lediglich eine Notkirche diente der Gemeinde als Räumlichkeit für ihre Gottesdienste. Im Jahre 1940 wurde dann das Kirchengrundstück von den Nationalsozialisten widerrechtlich enteignet. Diese nutzten danach das beschlagnahmte Grundstück für das Luftschutzbauprogramm, um darauf einen Hochbunker für die Bevölkerung zu errichten.

     

Der Luftschutzbunker mit 2.300 Schutzplätzen wurde im Rahmen der ersten Bauwelle in den Jahren1941 und 1942 erbaut. Er hatte die taktische Baunummer „LS 13“ im Luftschutzbauprogramm der Stadt Düsseldorf. (Luftschutzort erster Ordnung) Die Pläne für das LS-Bauwerk stammte aus der Feder von Architekt W. Stang, wobei der Luftschutzbunker aus Gründen der Tarnung die Form einer Kirche mit Kirchturm erhalten sollte. Im wesentlichen bestand der Hochbunker 13 aus einem 3-stöckigen Klotzbunker mit Turmähnlichen runden Anbau. Doch das war nicht der einzige Luftschutzbunker dieser Bauart, denn n Düsseldorf-Flingern am Gather Weg wurde ein fast identischer Bunker errichtet.

 fast identischer Hochbunker am Gather Weg

Während der zentrale Sammelschuzraumbunker in Heerdt vielen Menschen in den Bombennächten und Tagesangriffen der Alliierten einen sicheren Schutzplatz bot, musste die Gemeinde St. Sakrament weiterhin mit der Notkirche vorlieb nehmen und dort ihre Gottesdienste abhalten. Als die Notkirche am 27. November 1944 durch einen Luftangriff auf Düsseldorf völlig zerstört wurde, diente von nun ab eine eiligtst errichtete Notbaracke als provisorischer Kirchenraum. Auch der große Bruder, die zukünftige Bunkerkirche, erlitt mehrere Treffer, die der Bunker allerdings unbeschadet überstand. Dieses lag auch nicht zuletzt an der verstärkten Deckenstärke des Hochbunkers. Der aus Stahlbeton bestehende Luftschutzbunker hat eine Wandstärke von 1,20 Metern und eine betonierte Abschlussdecke mit einer Stärke von 2,70 Metern. Letzteres war eher unüblich für LS-Bauten der ersten Welle.

 Bunkerflur 1 im Untergeschoss

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Hochbunker in Düsseldorf dann tatsächlich in ein Gotteshaus umgewandelt. Der neue Ruhrkaplan, Dr. Carl Klinkhammer, welcher ab 17.06.1947 Pfarrer der Gemeinde St. Sakrament wurde, hatte die Idee den Luftschutzbunker, der sich ja immer noch auf dem Kirchengrundstück befand, wirklich in eine Kirche umzuwandeln. Da Pfarrer Carl Klinkhammer einen guten Ruf hatte, war es für ihn ein Leichtes die benötigte Summe für den Umbau während seiner Predigten und Vorträgen zu sammeln. Die Baupläne für den Umbau zur einzigen Bunkerkirche stammten von Dombaumeister Dr. Willy Weyres. Umfangreiche Umbaumaßnahmen wurden durchgeführt. Zum Beispiel wurden die Zwischendecken des Luftschutzbunkers entfernt und Löcher für die zukünftigen Fenster in die Betonwände gesprengt. Insgesamt wurden rund 1.000 Tonnen Schutt von der Baustelle abtransportiert. Danach, am 30. Oktober 1949, also zwei Jahre später, konnte die Einweihung der stabilsten Kirche der Welt gefeiert werden. Unter dem Friedensmotto „Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern“ (nach Jesaja 2.4) wurde die Bunkerkirche vom Stadtdechant Kreuzberg eingeweiht. Der Begründer der Bunkerkirche, Pfarrer Carl Klinkhammer, lebte seitdem in dem Luftschutzbunker und hielt fast 30 Jahre lang, bis zum Jahre 1991 die Messe in der Bunkerkirche ab, ehe er am 12. Januar 1997 verstarb.

 Fäkalienhebeanlage in der Bunkerkirche

Zu Beginn der 1990er Jahre machte die undichte betonierte Dachabdeckung und die daraus resultierenden Regendurchlässigkeit die Bunkerkirche zum Sanierungsfall. Diese führte zur einer umfangreichen Modernisierung und Restaurierung des Hochbunkers. Ein neu aufgesetztes Satteldach, welches von außen nicht zu erkennen ist, leitet das Regenwasser von nun ab nach außen und schützt die Betondecke vor Feuchtigkeit. Ebenso der Fußboden und der Altarraum im Inneren wurden im Zuge der Umbaumaßnahmen völlig erneuert. Danach, am 30. November 1997, wurde die Wiedereröffnung der Bunkerkirche unter der Leitung von Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann gefeiert. Die Kirchenhalle kommt nachwievor gänzlich ohne Säulen und Stützen aus und hat die Innenmaße von 35 Metern Länge, 20 Metern Breite und 9 Metern Höhe. (Außenmaße der Bunkerkirche: 47,30 x 22,10 Meter)

 Rückschlagventil der Firma Spellna / Wuppertal

Heute ist die Bunkerkirche Gotteshaus, Mahnmal und Kunstort in einem. Der Verein „Kunstort Bunkerkirche“ organisiert neben den Gottesdiensten der Pfarrgemeinde St. Sakrament zahlreiche Austellungen in den Kellerräumen der Bunkerkirche, welche noch im Original erhalten geblieben sind. Die im Jahr 2007 neu gegründete „Initiative Friedensort Bunkerkirche“ löste den „Kunstort“ ab und setzt sich seither für den Frieden ein und engagiert sich für den Schutz der Umwelt und der Schöpfung. In unregelmäßigen Abständen organisierte Konzerte und Lesungen runden das Gesamtkonzept ab.

 im Turmanbau der Bunkerkirche

Für den gemeinen Bunkersportler oder Geschichtsinteressierten an sich ist mit sicherheit die untere Etage der Bunkerkirche am sehenswertesten. Hier sind die originalen Bunkerzellen erhalten geblieben. Jede Etage besaß rund 30 Zellen mit einer Größe von etwa sechs Quadratmetern. Jeder Bunkerraum war für 6-10 Schutzsuchende ausgelegt. An den Stirnwänden befanden sich immer drei Betten übereinander, die Verankerung der Bettgestelle ist vielerorts noch zu sehen. Viele Luftschutzrelikte, wie zum Beispiel die Druckschutztüren, die Abwasserhebeanlage, die Wasser- und Stromversorgungseinrichtungen sowie die Aborte sind in der Bunkerkirche noch zu besichtigen. Ebenso in dem angesetzten Bunkerturm finden wir heute noch den schneckenförmigen Wendelgang, welcher früher bei Luftalarm die schnelle Füllung, beziehungsweise die zügige Belegung des Bunkers gewährleisten solle. Highlight der Luftschutzanlage (für mich) ist das erhalten gebliebene Rückschlagventil der Firma Spellna aus Wuppertal. Die Firma gibt es heute noch und stellt unter dem Namen „Spellken Nachf. Lufttechnik GmbH“ immernoch Grätschaften aus der Lufttechnik in Wuppertal-Nächstebreck her.

     

     

     

     

     

     

     

Typenschild (1) 

Peltz
Düsseldorf / Neuß.
Kenn Numm. RL 3-36/105 RL 3-37/88
RL 3-38/28 RL 3-38/29 RL 3-40/217
Vertrieb Gemäss § 8 Luftschutzgesetz genehmigt

Typenschild (2)

Fenestra G.m.b.H. Düsseldorf
RL 3-38/50
Vertrieb Gemäß § 8 des
Luftschutzgesetzes
genehmigt .

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Die Bunkerkirche kann jederzeit während der Gottesdienste, Austellungen oder nach Vereinbarung besucht und erkundet werden. 

Ansprechpartner ist:

Dr. Bruno Kammann
Friedrich-Lau-Straße 2
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211-557854

Aktuelle Termine unter:

www.friedensort-bunkerkirche.de

Jeder, der diese Friedensarbeit unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen.
Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!


© untertage-übertage, 2010

Exkursionen von Eismann, Schlufine, Bergmann und dem Lumenmann
Recherche und Bericht von Eismann, Fotos von Bergmann, Lumenmann und Eismann 
Onlinearbeit und Layout von Bergmann und Eismann